BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wiehl

Bauernproteste gegen Subventionskürzungen

Bauernproteste im Oberbergischen

 
 

In Gummersbach gab es am letzten Montag eine Kundgebung der Kreisbauernschaft. Unzählige Traktoren beteiligten sich, und als ich im Konvoi ein großes Schild mit einem riesigen Stinkefinger entdeckte, auf den eine Ampel gemalt war, musste ich grinsen. Auf einer Protestdemo finde ich sowas völlig okay. Als ich dann aber im Laufe des Tages mitbekommen habe, was anderswo so passiert ist – Vandalismus an Parteibüros, Parolen aus dem rechten Milieu oder auch der in Lindlar auf einem Kreisel aufgebaute Galgen – war ich enttäuscht. Hier geht es vielen gar nicht um die Sorgen der Bauern, sondern mal wieder werden legitime Proteste von Trittbrettfahrern für andere Zwecke missbraucht. Irgendwo in der Presse las ich von einem Schild „Bauern wählen AfD“ – was für ein sinnloser Spruch auf einer Demo für Agrar-Subventionen. Oder weiß da jemand nicht, dass im Grundsatzprogramm dieser Partei steht: „Die AfD lehnt Subventionen generell ab.“

Man wird sicher demnächst auch wieder gesittet über die eigentlichen Sachthemen reden können. Wenn die Emotionen nicht mehr so hochkochen. Und wenn die „Landwirtschaft ist bunt – nicht braun!“- Fraktion sich erfolgreich gegen eine Unterwanderung von rechten Gruppierungen und Querdenkern gestemmt hat. In deren Netzwerken finden sich diverse Mobilisierungsaufrufe die Agrarproteste zu kapern. (https://taz.de/Extremisten-wollen-Agrarproteste-kapern/!5981385/)

Obwohl ein Teil der Kürzungen von der Bundesregierung inzwischen zurückgenommen wurde, kühlt die Stimmung aber kaum ab. Das mag daran liegen, dass es inzwischen eigentlich gar nicht mehr wirklich um den übriggebliebenen Rest der Subventionskürzungen beim Agrardiesel geht. Hier ist eine Wut ausgebrochen, die sich seit Jahren und Jahrzehnten aufgestaut hat.

Natürlich nutzt auch die Opposition die Gelegenheit, zeigt sich solidarisch mit der Bauernschaft und wettert gegen die Regierung. Allerdings ist es verlogen, so zu tun, als wäre es den Bauern in den 16 Jahren der Merkel-Regierung besser gegangen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2001 noch 448.936 landwirtschaftliche Betriebe, im Jahr 2016 gab es noch rund 275.400. Besonders kleine Bauernhöfe mussten in dieser Zeit aufgeben, im Ausgleich dafür wuchsen die großen Betriebe. (https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6festerben / https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/landwirtschaftszaehlung-hoefesterben-geht-577405)

Ein großes Dilemma sind dabei von jeher die Subventionen (auch die von der EU) und deren ungerechte Verteilung. Es sind zumeist die großen Betriebe, die von diesen mit der Gießkanne verteilten Subventionen profitieren. Den kleinen fehlt das Geld zum Modernisieren, das sie jedoch brauchen, um die immer strengeren, aber auch notwendigen Auflagen zum Schutz der Umwelt zu erfüllen. Wie kommen die Subventionen an die richtigen Stellen? Und wäre es nicht sowieso viel besser, wenn die Produkte der Bauern einfach für das Geld verkauft werden könnten, was sie wert sind? Dann wäre die Landwirtschaft auch nicht mehr von Subventionen abhängig – denn wer ist schon gerne abhängig von staatlichen Zahlungen?

Wir hier in der Wiehler Lokalpolitik haben keinen Einfluss auf Entscheidungen zum Agrardiesel oder zu anderen Subventionen. Aber für uns zählt jeder Hof hier in Oberberg, und wir wollen keinen verlieren. Daher sind wir gerne bereit, uns der Diskussion zu stellen, was man denn hier vor Ort zur Stärkung der Landwirtschaft tun kann.
Sozusagen „aus Tradition“ kaufen viele Grüne von jeher regional, über SoLaWis oder direkt beim Erzeuger. Sogenanntes Crowdfarming und in Notsituationen auch Crowdfunding sind weitere Wege. Das sind kleine Schritte, die jeder tun kann, um die Landwirtinnen und Landwirte im Oberbergischen zu unterstützen.

 

 

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